Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder

Stamm Wilhelm Löhe, Landshut


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Silvester 05/06 - Christelried

Mit einem Mal kommt Leben auf die Lichtung, die das ganze Jahr über ruhig und abgelegen jungen unterfränkischen Wildschweinen einen Platz zum Austoben bietet. Doch Mama Wildschwein weiß, kurz nachdem die Tage am kürzesten waren, wird die Spielwiese ihrer Jungen regelmäßig von einer anderen Horde in Beschlag genommen und jetzt ist es wieder soweit. Von weitem hört sie schon den aufheulenden Motor, das untrügliche Zeichen, dass die Vorhut der fremden Horde bereits den Waldweg erreicht hat und sich Meter für Meter durch den verschneiten Wald kämpft, um schließlich die Lichtung und das einsame kleine Haus in ihrer Mitte zu belagern.

Schnell sammelt sie ihre Jungen ein, und aus dem Unterholz beobachten sie, wie die menschlichen Gestalten ihre Autos abstellen, allerhand Zeug ins Haus tragen und schließlich darin verschwinden.
Weil ihre Kinder wissen wollen, wer das sei und was die auf ihrem Spielplatz zu suchen hätten, beginnt Mama Wildschwein zu erzählen, dass eine befreundete Bussarddame von der Welt der Menschen berichtet habe, die immer laut und schnelllebig sei, in der Menschen sich am liebsten dort aufhielten, wo laute Musik aus großen Boxen dröhnt und ihnen Toiletten mit Wasserspülung  heilig wären. Darum könne sie gar nicht verstehen, weshalb Menschen jedes Jahr in das Haus auf ihrer Lichtung kämen, wo sie auf all das verzichten müssten.

Die Jungen quengeln, sie wollen wieder spielen gehen, die Menschen wären schließlich in dem Haus verschwunden und die Lichtung sei ja wieder frei. Doch Mama Wildschwein hält sie zurück, sie erklärt, dass die Horde längst nicht vollständig sei und die nächsten Tage allerhand neue Autos an der Lichtung ankommen, Gestalten Gepäck aus dem Auto ins Haus tragen und darin verschwinden werden. Und wenn dann das letzte Auto gekommen sei, dann beginne meistens am Tag darauf das selbe Prozedere in umgekehrter Richtung bis dann endlich nach 5 Tagen auch die letzten dieser seltsamen Eindringlinge wieder verschwunden seien.
Ja aber, die Autos könne man doch schon von weitem hören und dann könne man doch schnell wieder ins schützende Unterholz flüchten. Mama Wildschwein muss auch hier widersprechen, die Kinder sollen einmal auf die Veranda vor dem Haus schauen. Tagsüber würden dort beinahe alle 5 Minuten einige der Gestalten stehen und mit orange glühenden, stinkenden Stängeln die Luft verpesten. Sie wisse zwar nicht genau warum Menschen das machen würden, wisse aber einiges über die Technik der Menschenhorden und den Schaden, den sie damit normalerweise den Tieren und den Pflanzen zufügen. Die Jungen müssten sich unbedingt von den orangen Punkten fernhalten, diese würden mit Sicherheit töten. Und wenn dann die Nacht hereinbreche, wäre es besonders gefährlich, das Unterholz zu verlassen, schärft Mama Wildschwein ihrem Nachwuchs ein. Die Menschenhorde wäre dann besonders unberechenbar und am schlimmsten sei es  in jener Nacht, wenn die letzten Autos gekommen wären und die ersten am nächsten Tag wieder abfahren würden. Es liege dann immer ein gefährlich köstlicher Geruch nach gebratenem Fleisch und anderen Leckereien in der Luft. In einem harten Winter vor einigen Jahren sei ein entfernter Verwandter von ihr dem Geruch erlegen und habe sich zum Haus hingeschlichen, um ein Stück des Bratens zu ergattern. Doch weil er vor lauter Gier die Warnzeichen ignoriert habe, hätte er heute psychische Schäden. Er sei erstens taub und hätte zweitens tierische Panik vor Spuren der menschlichen Zivilisation und deshalb habe er schon lange seinen Bau nicht mehr verlassen, weil dies der einzige Ort sei, zu dem die Menschen noch nicht vorgedrungen seien. Sobald der Geruch einigermaßen verflogen wäre, würde das erste Warnzeichen eintreten. Eine Gitarre erklänge und die Menschen begännen lauthals zu singen. Spätestens dann müsse man unverzüglich das Weite suchen, weil dann die Geisterstunde nicht mehr fern sei, zu welcher sich die gesammelte Menschenhorde vor dem Haus versammle, sich in die Arme falle und unter lautem Gelächter Unmengen von explodierenden Dingern um sich werfe.

Eines dieser Dinger sei direkt vor der Schnauze ihres Verwandten explodiert und habe seine Krankheit verursacht. Die Menschen verhielten sich dann, als hätten sie vergorene Beeren gegessen. Das wäre das wichtigste, bläut Mama Wildschwein ihren Jungen ein, dass sie den Menschen, die vergorene Beeren gegessen hätten auf jeden Fall aus dem Weg gingen, sie wüssten ja wie aggressiv ihr Vater immer seine Frau und seine Kinder behandelt hätte, wenn er die vergorenen Beeren gegessen habe, und sie sollten sich mal vorstellen, wozu dann erst Menschen fähig wären. Das Gelächter und der Gesang fänden erst ein Ende, wenn die Sonne aufgehe. Dies sei der einzige Zeitpunkt des Tages, an dem die Lichtung ungefährlich sei, denn solange sie sich erinnern könne, hätte sich vor dem Zeitpunkt, wenn die Sonne am höchsten stehe, noch nie einer der Menschen aus dem Haus getraut. Vielleicht könne man ja dann einmal kurz zum Toben auf die Lichtung, das müsse man sehen. Und überhaupt werde man die Zeit schon überstehen, es wären ja nur 5 Tage und dann hätte man die Lichtung wieder ein ganzes Jahr für sich alleine.

Volker


Jän beim Skifahren (Anm. des Fotographen)

Autor: Volker Hauck
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