Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder

Stamm Wilhelm Löhe, Landshut


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Materialkiste - Unsere Zelte

Wenn wir draussen im Lager oder auf Fahrt sind, dann ist die Kohte der bescheidene Ersatz für unsere festen vier Wände. Wenn wir sie nur zum Schlafen benutzen, verbringen wir immerhin 1/3 des Tages in ihr.
Für viele Pfadfinder ist das Zeltaufstellen ein notwendiges Ärgernis zum Beginn des Lagers. Man ist ganz froh, wenn das Ding endlich irgendwie steht und wenn es dann stürmt und regnet, hofft man, daß man die Nacht  trocken überlebt. Wer jedoch einmal versucht, das Zelt mit anderen Augen zu betrachten, es als eine elementare Art der Behausung zu erkennen, für den wird es schnell zum wichtigsten Element des Lagers.
Wer von selbst Interesse findet am Umgang mit Kohten und Jurten und ihr Prinzip (richtiger Aufbau, Pflege, etc.) erkannt hat, der wird Vertrauen zu den schwarzen Gebilden bekommen und es genießen, in einer durchreg-neten Nacht mit dem Geräusch der Regentropfen, die auf die Planen prasseln, einzuschlafen.

Unsere alten Kohten - die älteste ist über 40 Jahre alt - zählen rein optisch betrachtet nicht gerade zu den vertrauenserweckendsten Gebilden, denn sie bestehen zum größten Teil aus Flicken, aber sie werden nach jedem Lager wieder auf Vordermann gebracht. Die Zeltwärte und ihre Helferlein sind damit mittlerweile fast genausolange beschäftigt, wie das Lager gedauert hat. Wir versuchen deshalb seit geraumer Zeit, unseren Kohtenbestand nach und nach neu aufzuforsten, was uns zur Zeit dank der finanziellen Unterstützung einiger Eltern und besonders ehemaliger Stammesmitglieder recht gut gelingt. Herzlichen Dank gleich nocheinmal an dieser Stelle!

Der Aufbau:
Diese Überschrift hat gleich zwei Bedeutungen, welche ich aus rationellen Gründen auch abhandle.
Das System Kohte: Um 1930 brachte eine Gruppe der deutschen Jungenschaft die Idee der Kohte von einer Lapplandfahrt mit; ein Zelt, das zerlegbar ist, das Platz für eine Sippe bietet und in dem Feuer gemacht werden kann. Sie besteht aus vier einzelnen fünfeckigen Planen, die inzwischen mittels Schlaufen zusammengeknüpft werden. Oben bleibt ein quadratisches Rauchloch, das mit einer Abdeckplane (“Opi“ - Gott weiß, woher dieser Name kommt) versehen wird, damit es eben nur ein Rauch-loch und kein Rauchregenloch ist.
Werden mehrere Kohtenplanen miteinander verknüpft, wird die Grundfläche größer und die Höhe geringer. So erhält man das Dach einer Jurte (fünf oder sechs Planen). Dieses wird mit senkrechten Stangen an der Außenkante hochgestellt und rundherum mit Seitenplanen (quadratisch oder rechteckig) zur Jurte ergänzt.


          Kohte                      Fünferjurte                  Sechserjurte

Da wie alles andere auch Kohten und Jurten der Erdanziehung unterliegen, müssen sie mit einem Gestänge hochgehalten werden. Die Kohte wird klassisch von einem Außenzweibock getragen. Das bietet im Gegensatz zur Mittelstange, die im Zelt steht, mehr Platz und die Möglichkeit ein Feuer zu machen. Jurten stellt man vorzugsweise mit innenstehenden Zwei- oder Dreiböcken auf, da äußere so groß sein müssten, daß sich der Aufwand kaum lohnt.
Der Aufbau - also das Aufbauen: Zu lernen, wie man Kohten aufstellt, gehört eher in die Gruppenstunden oder auf Lager. Hier möchte ich bloß einige Details loswerden.
Was immer wieder Grund für niesel- bis schauerartige Niederschläge innerhalb des Zeltes ist, ist am seltesten ein Loch in der Plane. Viel öfter liegt es einfach daran, daß zum Beispiel der Abschlussknoten der Knüpf-naht nicht direkt an der letzten Öse sitzt. Ist das der Fall, so zieht sich die Knüpfung ein Stück auseinander und das Wasser kann rein.

So darf man es nicht machen:

Im folgenden Bild ist der Knoten sauber an die Öse gesetzt; die Naht ist dicht!


Ein weiterer Grund kann beim Opi gesucht werden; er muss soweit über die Rauchlochkante gespannt sein, daß auch der Wind den Regen nicht hineinbläst. Der Opi muss glatt über das Kreuz gespannt sein, sodaß das Wasser zur Seite ablaufen kann, sonst gibt es Wassersäcke, durch die es durchsickert. Am besten stellt man ein kurzes Aststück (ca. 15 cm) aufrecht zwischen Kreuzmitte und Opi um dadurch ein kleines Pyramiden-dach zu erhalten.

Der pflegliche Umgang:
Wenn es auf dem Lager zu regnen beginnt, kann man viele beobachten, wie sie - emsig, wie die Bienen - um die Zelte herumschwirren und versuchen, durchhängende Planen glattzuspannen. Bei diesen Aktionen geht am meisten kaputt. Wenn irgendwo die Zeltbahn durchhängt, dann heisst das, daß eine andere zu stark gespannt ist. Es muss also zuerst an bestimmten Ecken nachgelassen werden, um an anderen anziehen zu können. Verlaufen zum Beispiel zwei Falten von oben V - förmig nach unten zu einem Häring zusammen, so ist diese Ecke in der Regel zu straff gespannt. Weiter ist zu beachten, daß Planen, die nass werden, sich zusammenzie-hen. Wird das Zelt vor dem Regen auf Hochspannung gebracht, so liefert das Wasser dann auch noch seinen Beitrag dazu, und es reissen die Schlaufen, Ösen und Knebel, daß es nur so pfeift.
Eine andere Unsitte in unserem Stamm, die schon mancher Öse den Kopf gekostet hat, ist der Einstieg ins Zelt, ohne vorher die Plane auszuhängen. Dabei entstehen Kräfte längs der Knüpfnaht, für die keine Öse ausgelegt ist. Leider sind in diesem Fall die älteren im Stamm auch die am unbelehrbarsten - also liebe Wölflinge, Jungpfadfinder und Pfadfinder: Macht es besser, hängt die Plane aus!

Verschiedene Zeltsysteme:
Die Kombination Kohtenplane - Quadratplane ist insofern genial, da die Möglichkeiten der Kombination und damit die Verwirklichung verschiedenster Zeltkonstruktionen bis hin zur Burg für einige hundert Personen praktisch unbegrenzt ist. Leider hat diese Medaille auch ihre Kehrseite: Im Laufe der Jahre hat der lange Zeit einzige Hersteller hin und wieder mal die Maße im Zuge der Optimierung geändert, sodaß beispielweise eine Kohtenplane aus dem Jahre 1960 u. U. nicht mit einer Plane von 1980 zusammenpasst. Und damit ist die ganze tolle Idee hinfällig. So besitzt unser Stamm mindestens drei Arten von Kohten, die nicht untereinander kombinierbar sind.
Seit geraumer Zeit hat sich ein zweiter Hersteller (Wunder) etabliert, der ein völlig neues Knüpfsystem entwickelt hat um sämtliche Nachteile des alten Systems auszuschließen. Da unsere Zelte sowieso kaum untereinander kompatibel sind, entschlossen wir uns vor einem Jahr zum Kauf unserer ersten Trollkohte von Wunder.
Die Vorteile: Wesentlich bessere Verarbeitung, Schwachstellen eliminiert (keine Ösen), Garantie auf Maßtreue, noch bessere Kombinationsmöglich-keiten als das herkömmliche System, gute Detaillösungen (z. B. Abschluss-knebel für einfachen, perfekten Abschluss).
Nachteile: Etwas teurer, andere und deshalb ungewohnte Vorgehensweise beim Aufbau.
Da vor allem wegen des zweiten Punktes viele Stammesmitglieder eine leichte Abneigung gegen die Trolle entwickeln, möchte ich an dieser Stelle etwas näher auf mögliche Aufbauprobleme eingehen:

Was ist nun also anders?
Aufstellanleitung ohne Rand:
Es geht schonmal damit los, daß die Planen mit der Aussenseite nach oben geknüpft werden, also so, wie man sie nachher auch aufstellt.
Mit dem Knüpfen fängt man auch hier oben am Rauchloch an, jedoch gibt es hier statt Ösen kleine, quer zur Knüpfrichtung angenähte Schlaufen. Man nimmt also             von der linken Plane die lange Schlaufe und steckt sie von oben durch die kleine Querschlaufe der rechten Plane.
Weiter geht es immer nach demselben Strickmuster:
    Lange Schlaufe von links zuerst durch die vorige lange Schlaufe (kommt von oben) und dann durch die kleine Querschlaufe rechts (vgl. Abbildung). Zum Schluss wird         die letzte lange Schlaufe, die von oben kommt, an der abgenähten Stelle mit dem Knebel an der Innenseite der linken Plane fixiert.

Zugegeben, es gibt hier unten verd. viele Knebel, aber mit ein bisschen Überlegung wird schnell klar, wofür jeder einzelne da ist: Einer für die     Abdeckleiste (links aussen), einer für den Abschluss (links innen) und einer für den Rand (rechts innen).
Ist die Kohte geknüpft, dann geht´s ans Ausrichten am Boden, was schon wieder anders abläuft: Diese Kohte hat einen echt regelmäßig achteckigen Grundriss, also wie ein Stopschild, und genauso muss man sie am Boden festnageln. Das ist nicht ganz leicht; am besten legt man zuerst ein Quadrat (I) um dann die Schlaufen in der Mitte der Quadratseiten solange nach aussen zu ziehen, bis sich ein regelmäßiges Achteck ergibt (II). Wenn dieses von allen Seiten aus betrachtet gleich aussieht, ist es perfekt.

Die Planen besitzen an den Ecken keine Ösen, sondern Schlaufen durch die - wie bei den Ösen auch - erst kurze Schnurschlaufen gebunden werden, durch die dann die Häringe bzw. oben das Kreuz gesteckt werden.
Der Opi hat mittig eine durchgehende Schlaufe, an der unten das Kreuz eingehängt wird, an der oberen wird das ganze Zelt aufgehängt. Das funktioniert so natürlich nur bei Außenböcken. Wird das Zelt mit Mittelstange aufgestellt, so darf die Stange nur so kurz wie möglich über das Kreuz hinausragen, weil der Opi noch darüber muss. An den Ecken des Opis befinden sich Schaufen, an denen man den Opi nach     unten, an die entsprechenden Häringe abspannen kann.

So, wer jetzt noch Fragen hat, darf sich jederzeit an mich wenden, ich bin auch gerne bereit, euch in einer Sippenstunde die Sache direkt zu zeigen.

Autor: Tweety (FS-2)
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